Der Mai war für intolight ein Monat der Auswärtsspiele. Wir waren auf zwei Festivals eingeladen, die sich beide die Förderung von Medien und Medienkunst als Ziel gesetzt haben, aber in ihrer Herangehensweise nicht unterschiedlicher hätten sein können.
Das erste war das Future Everything in Manchester, ein Festival mit einer 15jährigen Historie, einem umfangreichen Budget und internationaler Strahlkraft. Mit staatliche Förderung wird versucht, die ehemalige Industriemetropole Manchester als Medienstandort zu entwickeln, mit Kunst und Vernetzung frische Impulse aus der ganzen Welt in die Stadt zu bringen.
Im Rahmen unseres ECAS-Grants waren wir eingeladen, unser neues Projekt, den Switchboy vorgestellt. Hunderte andere Teilnehmer aus Theorie und Praxis waren da, um über Themen wie vernetzte Urbanität, Mobilität und natürlich auch Open Data zu diskutieren. Diese intellektuellen Debatten wurden durch eine Ausstellung ergänzt und mit einer Handvoll Workshops komplementiert.
Das Abendprogramm erstreckte sich dann über die ganze Stadt, erstklassige Konzerte und Performances waren für Konferenzteilnehmer ohne Kosten und Warteschlangen ermöglicht. Das ganze war professionell organisiert (danke an Drew Hemment und Joanna Szlauterbach), um so vielen Interessierten soviel Input wie möglich zu liefern. Und tatsächlich, wir hatten die Möglichkeit unsere Arbeit einem breiten Publikum vorzustellen. Der Anspruch des Festivals als ein Lab zu fungieren kam unserer Meinung aber zu kurz.
Ganz anders dagegen das kleine Art On Wires. Oslo ist eine pulsierende und wohlhabende Stadt, das Festival wurde ohne größeren Auftrag zum zweiten Mal von zwei enthusiastischen Deutschen (Alexander Eichhorn und Ulli Dibowski) organisiert, um Austausch und Wissensvermittlung ausserhalb des üblichen akademischen Kontextes auszuprobieren.
Mit handverlesenen Einladungen an Informatiker, Tänzer, Programmierer, Künstler, Forscher und Musiker wurde ein übersichtlicher und dennoch vielschichtiger Kern für das Festival eingeladen. Jeder war aufgefordert, sein Wissen und seine Erfahrungen in Talks, Workshops oder Performances weiterzugeben. Ausserdem blieb genug Zeit, um mit neuen Techniken zu experimentieren und sich menschlich näher zu kommen.
Und so kam es, dass Art on Wires mühelos dass schaffte, was sich Future Everything vorgenommen hatte: Das Festival wurde zum Labor, zur lebendigen Improvisation. Musiker und Tänzer benutzten die Kinect, Kinder bauten aus Elektroschrott kleine Roboter, Netzwerkadministratoren löteten tagelang schwarmintelligente Leuchten, und wir konnten mit polarisiertem Licht rumspielen. Durch eine Partnerschaft mit der diesjährigen NIME wurde der Horizont des Festivals nochmals erweitert.
Unser Fazit ist also: Wenn ein Festival als ein Labor fungieren soll, so braucht es eine gewisse Intimität. Es muss sich eher wie ein Ferienlager anfühlen, weniger wie eine Messe. Das braucht Zeit und eine eher kleine Gruppe an Spezialisten, die für interdisziplinäre Zusammenarbeit offen ist. Große Events wie die Future Everything haben es da natürlich viel schwerer, so eine Situation herzustellen. Das Format ist für Werksschau und intellektuellen Theorienaustausch perfekt, für konzentrierte Praxis im technologischen Schattenspringen aber bisher ungeeignet.